| Bei der Vorstellung des Irak-Berichts spielte
UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix am Montag abend vor dem Sicherheitsrat
in New York eine eher zwielichtige Rolle. Einerseits bescheinigte er
Bagdad, »im Großen und Ganzen bisher ziemlich gut mit der UNMOVIC
zusammengearbeitet« zu haben. »Am wichtigsten« sei gewesen, »daß zu
allen Einrichtungen, die wir inspizieren wollten, Zugang gewährt wurde«.
Zugleich rügte Blix jedoch, daß »Irak anscheinend immer noch nicht die
Entwaffnung akzeptiert hat, die von ihm verlangt wird«. In diesem
Zusammenhang verwies Blix auf Paragraph 9 der von den USA verfaßten
UNO-Resolution 1441, die verlangt, daß die Mitarbeit des Irak »pro-aktiv«
sein soll. Es genüge deshalb nicht – so Blix – Türen zu öffnen.
Inspektionen seien statt dessen ein Prozeß der Überprüfung mit dem
Ziel, Vertrauen zu schaffen. Bagdad müsse beweisen, daß es keine
Massenvernichtungswaffen mehr besitzt.
Mit diesem Vorgehen hat sich Blix die Position der US-Regierung zu
eigen gemacht, die bisher am deutlichsten von US-Verteidigungsminister
Donald Rumsfeld umschrieben wurde. Laut Rumsfeld kommt es nämlich nicht
darauf an, ob die Inspektoren etwas finden oder nicht, »sondern, ob die
Iraker kooperieren«. Und da Irak die Inspekteure noch nicht zu den
angeblichen Verstecken von Massenvernichtungswaffen geführt habe, sei das
der Beweis dafür, daß Bagdad nicht kooperiere. Was wiederum aus Sicht
Washingtons einen »materiellen Bruch« der UN-Resolution und somit den
Kriegsgrund darstellt.
Daß Blix diese Washingtoner Denkweise offensichtlich verinnerlicht
hat, war auch an seinen Fragen erkennbar. Insbesondere galt sein Bohren
dem angeblichen Verbleib von mehreren tausend chemischen Werferraketen und
rund 8500 Litern des biologischen Kampfstoffes Anthrax, den Irak
produziert hatte. Nach Angaben Bagdads gibt es diese Raketen aber nicht
und der Biokampfstoff sei bereits im chaotischen Sommer des
Golf-Kriegsjahres 1991 vernichtet worden. Dagegen meinte Blix, es gebe
deutliche Hinweise, »daß der Irak mehr Anthrax hergestellt hat, als er
zugibt«.
Zugleich ließ sich Blix über den Fund von 3000 Dokumentenseiten in
der Privatwohnung eines irakischen Atomwissenschaftlers aus. Dies nähre
»eine seit langem gehegte Sorge, daß Unterlagen in den Häusern von
Privatleuten deponiert wurden, um die Entdeckung zu erschweren.« Daß es
sich bei den gefundenen Dokumenten ausschließlich um nichtklassifizierte,
also keine Geheimdokumente handelt, ließ Blix unerwähnt.
Vor diesem Hintergrund ist die Reaktion des Vorgängers von Hans Blix
als UNO-Chefwaffeninspekteur, des Australiers Richard Butler, besonders
bemerkenswert. Am Dienstag sagte Butler in Sydney: »Die Vereinigten
Staaten, die sich mit ihren Massenvernichtungswaffen darauf vorbereiten,
ohne Mandat des Sicherheitsrats ein Land im Herzen Arabiens zu überfallen
und zu besetzen, die dabei sogar willens sind, ihre eigenen
Massenvernichtungswaffen einzusetzen, falls ihnen dies nötig erscheint,
um die Schlacht zu gewinnen, bieten ein Schauspiel, das jegliches Verständnis
für Fairneß in dieser Welt zutiefst verletzt. Ich befürchte, daß
dadurch Kräfte freigesetzt werden, die wir noch sehr bedauern werden.«
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